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Verhalten und Soziales
Über dieses Thema wird in Büchern und anderen Medien sehr viel geschrieben, wobei nicht alles Geschriebene, Gesagte und Gehörte nachvollziehbar erscheint. Ob es sich dabei um mangelndes Wissen, Übertreibung oder Wahrheit handelt ist ebenso wenig überprüfbar.

Wer kennt sie nicht, die Aussage vom blutrünstigen und angriffslustigen Piranha ?
Ich erlebe es selbst wie Freunde, Bekannte oder Besucher reagieren, wenn ich ihnen sage das es sich um Piranha handele die dort im Becken schwimmen. Nach anfänglich ungläubigem Nachfragen sind sie dann doch oftmals erstaunt, das diese Piranhas garnichts von dem monströsen Verhalten zeigen der eigentlich ihrem zweifelhaften Ruf vorrauseilt.

Sicher ist in ihrem natürlichen Habitat immer wieder zu beobachten, das eine grössere Gruppe von Piranhas einen Kadaver oder verletzte (bzw. kranke) Tiere, je nach Grösse des Tieres, in Sekunden oder Minuten regelrecht skelettieren, dies entspricht aber ihrem Aufgabennaturell. Piranhas sind hauptsächlich Kadaver- und Aasbeseitiger. Das Piranhas auch lebende Tiere (Fische) angreifen und fressen, kommt vor ist aber nicht die Regel.

Dies ist meist der Fall bei:
  • der Brutpflege
     Eindringlinge oder Nesträuber werden sofort -auch von Einzeltieren- angegriffen

  • der Verteidigung
     Piranhas schliessen sich zuvor zu einer Gruppe zusammen

  • Verletzung oder Krankheit
     sogar Artgenossen können ein Opfer werden (Kannibalismus)

  • Hunger
     Nahrungsknappheit infolge von Austrocknung oder Vertümpelung eines Gewässers


Stichwort Kannibalismus.
Kannibalismus ist bei Piranhas häufiger anzutreffen als bei jeder anderen räuberisch lebenden Fischart. Jedoch ist dies keine Willkür sondern unterliegt besonderen Faktoren. Wenn Nebenflüsse, insbesondere Nebenarme dieser Flüsse, infolge von langer Trockenheit zu Tümpeln werden oder drohen auszutrocknen, wird auch die Nahrung knapp. Hier setzt nun der Überlebenstrieb ein, er ist jedem Tier angeboren und nicht steuerbar. Zunächst fallen die kranken und angeschlagenen Tiere diesem Trieb zum Opfer. Mit weiter zunehmender Raumknappheit werden auch grössere und gesunde Tiere angegriffen, getötet und gefressen. Zum Schluss werden sich nur noch die stärkeren Tiere in diesen Restgewässern behaupten können, oftmals wurden in einem solchen Tümpel nur noch eine kleine Gruppen bis zu 4 Tieren gezählt.

Wenn wir nun eine Parallele zu unserem heimischen Aquarium ziehen, so würde dieses letztendlich einem solchen Restgewässer entsprechen. Da wir aber unsere Piranhas stetig mit Futter versorgen, dürfte oder sollte es hier, vorausgesetzt die Beckengrösse bezgl. des Besatzes stimmt, nicht zum Kannibalismus kommen.

Keinesfalls sollte man jetzt vermuten das, trotz dieser ausserordentlichen Vorkommnisse, Piranhas bösartig von Fress- oder Tötungstrieb geleitet würden. Piranhas sind genau das Gegenteil, sie sind sehr soziale strukturiert.

Diese soziale Struktur zieht sich fast über den gesamten Lebensbereich und Umfeld dieser Fische.
  • Brutpflege
    Die Brutpflege wird hauptsächlich vom Männchen betrieben. Dabei ist der Schutz des Nestes und des junggeschlüpften Nachwuchses die Priorität bei der Brutpflege.

  • Gruppendynamik
    Bei Gefahr, Angriff oder Verteidigung, rotten sich die Piranhas blitzschnell zu einer grösseren Gruppe zusammen um gemeinsam auf die jeweilige Situation zu reagieren. Dabei ist zu beobachten, das die jüngeren und kleineren Piranhas zumeist im Inneren des Pulks ihren Platz beziehen. Den äusseren Ring bilden hauptsächlich die alten und kräftigeren Männchen.

  • Rangordnung
    Erstaunlicher Weise kommt es bei der Festlegung der Rangordnung kaum zu Verletzungen. Die Festlegung der Rangordnung unterliegt einem reglerechten Ritual. Vorangehend werden sogenannte Scheinkämpfe ausgeführt. Dabei stehen die Kontrahenten Seite an Seite und führen heftige Schwanzflossenschläge aus. Dabei wird folglich eine Wasserdruck zwischen den beiden Körpern der Piranhas aufgebaut. Anhand dieses Wasserdrucks können die Kontrahenten ermessen, ob es sich bei dem Gegenüber um ein schwächeres, gleich starkes oder stärkeres Tier handelt. Sollte nicht schon hier eine Entscheidung gefallen sein, tritt die nächste Phase in Kraft. Dazu schimmt der Kontrahent einen Bogen und nähert sich von der Seite. Dann beisst dieser kurz vor der Flanke des Kontrahenten ins Wasser und gibt einen grunzenden Laut von sich. Allerdings kann es hierbei im Eifer des Gefechts dazu kommen, das ein überhastiger Piranha evtl. seinem Kontrahenten einige Kratzer beibringt, da der gesamte Ablauf sekundenschnell erfolgt. Ist nach dieser Phase immer noch keine Entscheidung gefallen, folgen dann echte Bisse; zunächst nur in die Flossen und dann ernsthafte Bisse in Kehle und Rücken des Kontrahenten. Hierbei können dann auch so schwere Verletzungen auftreten, das einer der beiden Streithähne an den Folgen verstirbt.

  • Revierbildung
    Hier erfolgen ebenfalls wie bei der Rangordnung sogenannte Schaukämpfe. Allerdings tritt hier vermutlich nicht die letzte Phase eines echten Kampfes in Kraft, da einer Revierbildung immer zuerst die Rangordnung voransteht. So weiss jedes Tier seine Stellung in einer Gruppe und das beste Revier wird sich auch das stärkste Tier sichern.


Verständigung

Zur Verständigung untereinander nutzen die Piranhas neben ihrer Körpersprache auch Laute. Diese Laute sind meist tieffrequent und haben Ähnlichkeit mit einem Grunzen und Knurren. Es ist sehr interessant dieser Verständigung einmal zuzuhören. Wer es einmal versuchen möchte kann dies mit einem wasserdichten Mikrofon tun, welches einfach ins Aquarium gehängt wird.

Viel Spass dabei ...


Copyright © 2001 by [ Dietmar Reez ]